Manchester United ist unter Michael Carrick im Aufwind. Davon könnte besonders ein langhaariger Fan profitieren. Luke Shaw erklärt, warum es plötzlich so gut läuft.
Luke Shaw (li.) erklärt, warum es unter Michael Carrick so gut für Manchester United läuft.
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In Manchester herrscht vermutlich schon Hochbetrieb in einigen Friseur-Salons. Die Scheren werden gewetzt und die Rasierer vorsorglich aufgeladen, denn am Mittwoch könnte prominenter Besuch vor der Tür stehen. Frank Ilett – seines Zeichens eingefleischter Fan von Manchester United – war seit 493 Tagen nicht mehr zum Haareschneiden und ist durch seine mächtige Haarpracht mittlerweile ein Social-Media-Star mit über 1,2 Millionen Followern auf Instagram. Nach dem Spiel von ManUnited bei West Ham könnte es für ihn endlich so weit sein; und dem Afro könnte es an den Kragen gehen.
Carrick könnte zum Heilsbringer werden
Anfang Oktober 2024 hatte der Engländer, wahrscheinlich ohne sich vorher ernsthaft Gedanken darüber zu machen, angekündigt, dass er nicht mehr zum Friseur geht, bis Manchester United fünf Spiele in Folge gewonnen hat. Seitdem standen bis Mitte Januar vier unterschiedliche Trainer im Old Trafford an der Seitenlinie, aber keiner schaffte die ominöse Serie. Dann übernahm Michael Carrick das Traineramt – und er könnte für United-Fan Ilett zum Heilsbringer werden.
Denn in den ersten vier Spielen unter der Leitung des 44-Jährigen fuhren die Red Devils vier Siege ein. Am Dienstagabend kann die Fünferserie also beim Auswärtsspiel in London vollendet werden. Und sogar der Trainer selbst ist sich der außersportlichen Bedeutung dieses Spiels bewusst: “Meine Kinder haben mich darauf aufmerksam gemacht”, sagte er auf der Pressekonferenz vor dem Spiel. Das Thema werde aber nicht in der Teambesprechung aufkommen. “Es bringt mich zum Schmunzeln, aber letztendlich wird es keinen Einfluss haben.”
Vom wankelmütigen Weltverein zu einem Top-4-Anwärter
Carrick wird wohl auch selbst am besten wissen, welche Worte in der Teambesprechung gewählt werden sollten. Denn der 34-malige englische Nationalspieler hat ManUnited innerhalb weniger Wochen von einem wankelmütigen Weltverein zu einem ernsthaften Anwärter für die Top-4 der Premier League gemacht. Und das ohne große personelle Änderungen. Er hat die gleichen Spieler zur Verfügung wie sein Vorgänger Ruben Amorim, der in 58 Spielen nur 23 Siege einfuhr – eine Sieg-Quote von nur knapp 40 Prozent.
Was macht Carrick anders als seine Vorgänger? Warum läuft es plötzlich wie geschmiert bei Manchester United? Luke Shaw, der seit fast zwölf Jahren bei den Red Devils unter Vertrag steht und schon von neun unterschiedlichen Trainern betreut wurde, hat darauf eine klare Antwort: “Er versteht den Verein, und das ist für mich das Wichtigste”, sagte der 30-Jährige gegenüber dem britischen Radiosender Talksport. Carrick wisse genau, “was nötig ist, um Fußballspiele zu gewinnen” und “alle glücklich zu machen”.
Wenn wir ein Tor schießen, feiern nicht nur die Spieler auf dem Platz. Auch die Spieler auf der Bank rennen herum und feiern mit.
Der Spaß stehe bei Manchester United wieder im Vordergrund: “Natürlich fühlen sich alle besser, wenn sie Fußballspiele gewinnen, und das Selbstvertrauen ist derzeit sehr groß. Ich glaube, dass im Moment einfach alle wirklich Spaß haben.” Und damit meint Shaw nicht nur die Spieler, die Woche für Woche in der Startelf stehen: “Wenn wir ein Tor schießen, feiern nicht nur die Spieler auf dem Platz. Auch die Spieler auf der Bank rennen herum und feiern mit. Ich denke, das zeigt echte Zusammengehörigkeit.”
Carrick habe insegsamt viel verändert. Und Shaw ist der Meinung: “Wenn wir so zusammenhalten, entsteht eine wirklich starke Bindung, und wir gehen auf den Platz und kämpfen alle füreinander, und alle halten wirklich zusammen. Das hilft natürlich immer.” So hole der Trainer das Beste aus den Spielern raus.
Erinnerungen an eine goldene Ära werden wach
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Manchester United unter Carrick bisher einfach das nötige Spielglück hatte, um die vier Siege in Folge einzufahren. Späte Tore führten bei den 3:2-Siegen gegen Arsenal und Fulham zum Erfolg. Eine frühe Rote Karte gegen Tottenham machte die Aufgabe beim 2:0 gegen die Spurs deutlich einfacher. Die Art und Weise, wie ManUnited aktuell die Spiele gewinnt, erinnert fast ein wenig an die goldene Ära unter Sir Alex Ferguson, der an der Seitenlinie nur auf seine Armbanduhr blicken musste, um bei den Gegnern die Knie zittern zu lassen.
united will den fünften sieg in folge
Aber auch die United-Legende Ferguson kann ein Lied davon singen, dass man sich im Fußball nicht zu früh freuen sollte. In positiver Hinsicht hat er diese Erfahrung mit den Red Devils im denkwürdigen Champions-League-Finale 1999 gegen die Bayern gemacht, negativ war hingegen die in letzter Sekunde an Stadtrivale Manchester City verlorene Meisterschaft 2012.
Dementsprechend sollte auch der langhaarige United-Fan den Rasierer nicht zu früh ansetzen. Denn mit West Ham wartet am Dienstag (21.15 Uhr) zwar ein Gegner, der gegen den Abstieg kämpft, aber zuletzt drei Siege aus vier Spielen holte. Um die Haarpracht tatsächlich zum Fallen zu bringen, müssen Carrick und seine Schützlinge also erst mal ihre Hausaufgaben machen. Wenn sie so auftreten wie in den vergangenen Wochen, stehen die Chancen auf den fünften Sieg in Serie zumindest nicht schlecht.
